Bildnis Adolf Uzarski

Otto Dix – 1923

„Ich kumm uff keinen grienen Zweich; meine Malereien sind unverkäuflich. Entweder ich werde berühmt oder berüchtigt.“ So beschrieb Otto Dix seine Situation als Maler noch im Jahr 1920. Früh war das Talent des aus einer Arbeiterfamilie stammenden Jungen entdeckt worden. Nachdem er eine Lehre als Dekorationsmaler (von ihm als „Drecksarbeit“ bezeichnet) abgeschlossen hatte, erhielt er schließlich ein Stipendium des Fürsten von Reuß, welches ihm ein Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule (1910-1914) ermöglichte. Endlich konnte er ernsthaft seinen Interessen nachgehen. In Dresden wurde er allerdings wenig beachtet. Seine Werke waren nicht unbedingt etwas für den bürgerlichen Geschmack. Als schonungsloser Maler erfasste er die Wirklichkeit in seinen Bildern. Ihre Schönheit, aber auch ihre Hässlichkeit. Unter anderem verarbeitete er seine Erfahrungen von der Front im ersten Weltkrieg in seinen Werken. Wer hängt sich ein solch düsteres Bild ins Wohnzimmer?

1922 zog es Dix schließlich nach Düsseldorf. Er knüpfte Kontakte zur dortigen Künstlerszene. In dieser Zeit entstand eine Reihe von Portraits. Der hier von ihm portraitierte Maler und Schriftsteller Adolf Uzarski war eines der Gründungsmitglieder des Jungen Rheinland, einer Künstlervereinigung, die sich von der konservativen Düsseldorfer Kunstszene abheben wollte. In dem Bildnis wird er vor einer Stadtkulisse in Szene gesetzt, die einen Großteil des Bildes einnimmt. Der Portraitierte hat übergroße knorrige Hände, mit denen er gestikuliert. Der Zeigefinger erhebt sich mahnend. Das Grün der Umgebung scheint auf ihn überzugreifen. Aus seiner Nase, seinen Augen und Hemdsärmeln leuchtet es hingegen seltsam rot. Der Mann fluoresziert in der Nacht, so scheint es. Uzarski war scharfer Kritiker der antidemokratischen und antisemitischen Tendenzen der Weimarer Republik. Die Darstellungsweise, die dem Bild eine gespenstische Atmosphäre einhaucht, mag eine Andeutung darauf sein.

„Kunst machten die Expressionisten genug, wir wollten die Dinge ganz nackt, klar sehen, beinahe ohne Kunst. Die Neue Sachlichkeit das habe ich erfunden.“ Dix gilt als vielseitiger Maler, der von vielen Stilen beeinflusst worden war, nicht zuletzt von dem zu seiner Zeit aufkommenden Expressionismus. Wirklich zugehörig fühlte er sich jedoch zu keiner Stilrichtung, er wollte als Künstler unabhängig sein. Wichtig war es ihm, mit seinen Bildern einen Querschnitt der Gesellschaft zu zeigen. Aus dieser Grundhaltung heraus entstanden helle, fröhliche Bilder, beispielsweise, wenn er seine Kinder malte. Auf der anderen Seite hinterließ er uns zahlreiche (Anti-)kriegsbilder. Seine Portraits aus den Zwanzigerjahren hatten schon in den im nächsten Jahrzehnt Kultstatus. Fern der Heimat hatte er Anerkennung gefunden, die ihm nun auch in Dresden zuteil wurde. Von 1927 an hatte Dix eine Professur an der Kunstakademie Dresden inne. 1933 war er einer der ersten Kunstprofessoren, die von den Nationalsozialisten entlassen wurden.

Otto Dix – Bildnis Adolf Uzarski, Kunstpalast Düsseldorf, Quelle: emuseum Stadt Düsseldorf, CC BY-NC-ND 4.0

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